Auf den Spuren eines großen Beobachters

Joseph Conrad im Fokus einer Lesung im fast ausverkauften Lehrerhaus-

 

Foto und Bericht aus dem Hellweger Anzeiger vom 25.09.2017 Von Sebastian Pähler Lünern.

 

Einen der einflussreichsten Autoren der englischsprachigen Literatur konnten die Besucher des alten Lehrerhauses in Lünern bei einer Lesung am Samstag näher kennenlernen.

Joseph Conrad ist nur auf den ersten Blick ein Reiseschriftsteller. Tatsächlich befasste er sich aber in erster Linie mit Menschen, die in Ausnahmesituationen an den Rand ihrer Menschlichkeit geraten. Obendrein verfügte er über eine klare und schonungslose Sprache, die bis heute fast jeden Leser „packt“.

Nicht ohne Grund hat sein Werk Auswirkungen bis in die Gegenwart. Thomas Mann ließ sich von ihm genau so beeinflussen wie Ernest Hemingway, und auch Stanley Kubrick, Orson Welles und Quentin Tarantino befassten sich mit Conrads Werk.

Umso unverständlicher, so Moderator Dr. Mario Bührmann, ist es, dass die wenigsten seiner Bücher aktuell noch erhältlich sind. Eine Gelegenheit zum „Wiederentdecken“ des Ausnahmeschriftstellers sollte daher die Lesung sein, die vom „Westfälischen Literaturbüro“ und dem „Polnischen Institut Düsseldorf“ gemeinsam ausgerichtet wurde. Letzteres spielte eine Rolle, da in Polen 2017 das Conrad-Jahr gefeiert wird. Der zumeist als britische Autor wahrgenommene Joseph Conrad wurde nämlich tatsächlich 1857 als Józef Teodor Nałcz Konrad Korzeniowski im damals russisch besetzten Teil Polens geboren.

Schauspieler Kai Schumann verlieh Joseph Conrad seine bei der Lesung leicht heisere, aber dennoch tragende und ausdrucksvolle Stimme. Mit Ausschnitten aus den Werken „Herz der Finsternis“, „Lord Jim“ und „Nostromo“ illustrierte er so Conrads Werk und Können eindrucksvoll. Das Publikum im fast ausverkauften Alten Lehrerhaus in Lünern zeigte sich von den Schilderungen überwältigender Landschaften und menschlicher Abgründe beeindruckt.

Moderator Mario Bührmann (rechts) und Schauspieler Kai Schumann führten durch den Conrad-Abend. Hennes