Das Pflaster gibt’s zum geschärften Messer gratis dazu

Lünern. Ein scharfes Messer ist nicht nur in der Küche unverzichtbar. Inzwischen aber sind die Schneidewerkzeuge oft zur Wegwerfware verkommen. Stephan Blank setzt als Messerschleifer einen Gegenpol. Bild und Bericht aus dem Hellweger Anzeiger vom 03.01.2019.

Von Dirk Becker Wenn Stephan Blank den Schleifstein in Bewegung versetzt und die Klinge eines Messers ausrichtet, dann befindet er sich in seinem Garten. Das klingt ungewöhnlich, aber tatsächlich hat sich der Lünerner in seinem großen Gartenhaus eine Werkstatt eingerichtet. Dort schärft er fast alles, was man schärfen kann: natürlich Messer, aber auch Scheren, Kettensägen, Werkzeuge und Gartengeräte. Der Ort aber ist nicht das einzig Ungewöhnliche. Der „Gratwandler“, wie sich Stephan Blank nennt, sitzt auch im Rollstuhl. Das Schärfen von Messern ist Teil seiner Passion

»Wenn die Leute zum ersten Mal kommen, bringen sie eher die günstigen Messer.  Erst wenn sie      wissen, dass ich das wirklich gut mache, darf ich auch an ihre guten Stücke.«Stephan Blank

Der Lünerner sucht auch in seiner Freizeit das Scharfe. Seit 1993 praktiziert er Iaido, die japanische Kunst des Schwertziehens. Als er begann, hatte er schon Erfahrung im Judo und Aikidoge sammelt. Damals konnte er noch laufen. Ein schwerer Motorradunfall im Jahr 1995 aber zwang ihn dann an den Rollstuhl. Dieser Schicksalsschlag kann ein Leben zerbrechen. Stephan Blank aber nahm das Schicksal an. Deshalb hörte er auch nicht mit Iaido auf. Im Gegenteil: Das, was er als Fußgänger gelernt hatte, wandelte er so um, dass er auch als Rollstuhlfahrer ein Meister seiner Kunst ist.

Messe selbst hergestellt

Auch hauptberuflich befasst sich Stephan Blank mit Rollstühlen. Er baut Rollstühle für Kinder und erfüllt dabei sogar Wünsche wie ein Lenkrad. Dass er mit dem Messerschärfen ein zweites Standbein fand, war ein Stück weit Zufall. Denn zunächst schärfte Stephan Blank nur die eigenen Messer. Blank benutzt selbst hochwertige Messer, hat auch schon selbst Messer hergestellt. Dabei setzt er auf deutsche Qualität. Klingen aus Solingen, sagt er, sind von herausragender Qualität. Die Klinge allein ist aber nicht alles. Scharf muss sie sein.

Vielschichtiger Prozess

Und Stephan Blank sorgt dafür, dass sie wirklich problemlos schneidet, was sie schneiden soll. „Wer bei mir ein Messer schleifen lässt, bekommt ein Pflaster gratis dazu“, sagt Blank. Unwissende könnten das für einen Marketing-Gag halten, doch tatsächlich sind die Klingen nach getaner Arbeit so scharf, dass sich Blank auch selbst schon einmal geschnitten hat.Der Schleifprozess erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst wird die Klinge mit einer 1000er-Körnung geschliffen. Anschließend benutzt der „Gratwandler“ eine 4000er-Körnung - „eher zum Polieren“, wie er sagt. Das i-Tüpfelchen ist der mit Polierpaste versehene Streichriemen, über den er die Klinge zum Abschluss zieht. „Dadurch wird der Grat noch einmal aufgerichtet und kurzgebrochen“, erklärt Blank.Dass er auch dieses Handwerk beherrscht, hat sich schnell herumgesprochen. Obwohl er keinen Laden hat und nur selten einen Stand aufbaut, ist sein Können gefragt. Nicht nur Lünerner bringen ihm Messer, Scheren und Klingen von Rasenmähern. „Wenn die Leute zum ersten Mal kommen, bringen sie eher die günstigen Messer. Erst wenn sie wissen, dass ich das wirklich gut mache, darf ich auch an ihre guten Stücke“, sagt Blank.

Ein Gegenstand fürs Leben

Was ihn stört, ist die Tatsache, dass Messer immer öfter zur Wegwerfware werden. Die Menschen geben wenig Geld für Messer aus. Wenn die Klingen dann an Schärfe verlieren, landen sie im Müll. „Dabei ist ein richtig gutes Messer ein Gegenstand fürs ganze Leben“, sagt Blank. Wer seine Messer ein- bis zweimal im Jahr schärfen lässt, hat lange Freude daran.Stephan Blank lässt sich auch bei der Arbeit über die Schulter schauen. Die Gelegenheit dazu bietet sich etwa beim Mittelaltermarkt in Hemmerde. Aber auch beim Weihnachtsmarkt der Oldtimer-Remise auf Gut Keinemann in Bergkamen-Rünthe war der „Gratwandler“ präsent. „Leider ist es sehr aufwendig, einen Stand aufzubauen. Das bekomme ich nicht öfter hin“, sagt Blank. Überfehlende Stammkunden kann sich der Lünerner aber ohnehin nicht beklagen.

In seiner Gartenwerkstatt praktiziert der „Gratwandler“ Stephan Blank das Handwerk des Messerschärfens. Seit einem Motorradunfall vor 24 Jahren sitzt der Lünerner im Rollstuhl.