Kreis soll Dorfumgehung prüfen

Zwischen Mühlhausen und Lünern soll ein Weg zu einer Umgehungsstraße ausgebaut werden. Die Idee ist politisch umstritten, der Kreis Unna soll sie trotzdem prüfen. Foto, Bild und Bericht aus dem Hellweger Anzeiger vom 12.10.2018

von Thomas Raulf

Zu viel Verkehr rollt über die Heerener Straße durch Mühlhausen und über die Nordlünerner Straße durch Nordlünern. Dieser Eindruck wird oft an die Ortsvorsteher der beiden Dörfer herangetragen. Und Anja Kolar (Lünern-Stockum) und Dietmar Griese (Mühlhausen-Uelzen), beide SPD, bestätigen eine hohe Belastung. Nach ihrer Vorstellung würde eine neue Kreisstraße in Ost-West-Richtung zwischen den beiden Dörfern zur Lösung der Probleme beitragen. Das Projekt ist im Stadtrat umstritten. Trotzdem soll der Kreis Unna nun den Nutzen einer solchen Umgehungsstraße prüfen.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehrsplanung beschloss am Mittwoch einen entsprechenden Auftrag an die zuständige Verwaltung. Die neue Straße würde Kreisstraßen verbinden und wäre dadurch auch eine Kreisstraße. Sprich: Nicht die Stadt Unna, sondern der Kreis wäre die federführende Behörde. Nun soll das Rathaus Kontakt aufnehmen mit dem Kreis Unna mit der Bitte um eine verkehrliche Voreinschätzung. Die Straßenverkehrsbehörde des Kreises soll den verkehrlichen Nutzen der Dorfumgehung ermitteln. Erst wenn diese Einschätzung vorliegt, soll sich die Politik im Stadtrat wieder mit dem Thema beschäftigen, so der Vorschlag von Baudirektor Michael Ott, dem der Ausschuss folgte.

Sollte sich das Straßenbauprojekt als verkehrlich sinnvoll erweisen, müssten weitere Fragen abgewogen werden, und schon jetzt zeichnet sich ab, dass es dabei zum Streit kommt. Selbst ein Anlieger einer der Straßen, die derzeit so belastet sind, spricht sich gegen den Straßenbau zwischen den Dörfern aus. Dafür geopfert würde ein Wirtschaftsweg, dessen Bedeutung für den Naherholungswert im Unnaer Osten als sehr hoch gilt. Die CDU werde dem nicht zustimmen, sagte der Fraktionsvorsitzende Rudolf Fröhlich im Ausschuss. Auch die Bündnisgrünen sind gegen den Eingriff in Natur und Landschaft. Auch die Heerener Straße müsste wohl verbreitert werden, wenn das Umgehungsprojekt so umgesetzt werden sollte. Dann müssten an dieser Allee alle Bäume gefällt werden, meint FLU-Fraktionschef Klaus Göldner, das müsse allen klar sein. „Darüber müssen wir nachdenken“, mahnte er.

Die Politik könnte also letztlich sogar gegen das Projekt sein. Mit welchem Druck wird die Kreisverwaltung es wohl prüfen, wenn sie die entsprechende Bitte aus dem Unnaer Rathaus bekommt? Diese Frage warf unter anderem Renate Nick (SPD) auf.

Auf keinen Fall soll nun ein Verkehrsgutachten erstellt werden, für das die Stadt Unna letztlich die Rechnung bezahlen muss. Entsprechend äußerten sich unter anderem CDU-Fraktionschef Fröhlich und Bernd Dreisbusch (SPD) als Ausschussvorsitzender. „Aus Bordmitteln“, also mit eigenem Personal, soll der Kreis das Projekt prüfen.

Die ganze Energie solle besser in eine Wiederaufnahme der Planung für die Osttangente gesteckt werden, sagte Rolf-Dieter Beyersdorf (CDU). Ihn überrasche die aktuelle Diskussion. Die Osttangente sollte verkehrliche Entlastung bringen durch eine neue Verbindung zwischen dem Indupark-Kreisel und der Gießerstraße/Hammer Straße. Diese Planung hätten letztlich Grüne und SPD verhindert, so Beyersdorf.

Mühlhausen, Heerener Straße in Fahrtrichtung Norden: Viel Verkehr herrscht auf der Einfallstraße ins Dorf, viele Fahrer suchen eine Abkürzung von Norden zur B1. Eine neue Ost-West-Verbindungsstrecke zur Nordlünerner Straße soll dieses Problem lösen, das gleiche Problem in Nordlünern auch.archiv
Grün markiert ist die Trasse nach Norden in Richtung Heeren, die Mühlhausen und Nordlünern vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Die Ortsvorsteher schlagen den Ausbau einer neuen Kreisstraße (getrichtelt) vor.